13 March 2026, 22:26

Buchhandlungspreis: ver.di wirft Minister Zensur vor und fordert Transparenz

Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Eine Ansprache vor einer Versammlung der Mitglieder und Freunde der Pennsylvania Anti-Slavery Society während der jährlichen Messe" auf dem Cover, das eine Seite mit schwarzem Text zeigt.

Buchhandlungspreis: ver.di wirft Minister Zensur vor und fordert Transparenz

Die Gewerkschaft ver.di hat die Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer, drei Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises auszuschließen, scharf kritisiert. Der Schritt löst Besorgnis über kulturelle Freiheit und Transparenz im Auswahlverfahren aus.

Andrea Wemheuer, Leiterin des ver.di-Landesbezirks, bezeichnete die Entscheidung als "katastrophal" und warnte vor den weiteren Folgen für die Meinungsfreiheit.

Die betroffenen Buchhandlungen – Rote Straße in Göttingen, The Golden Shop in Bremen und Zur schwankenden Weltkugel in Berlin – waren ursprünglich von einer unabhängigen Jury ausgewählt worden. Weimer setzte sich über diese Auswahl hinweg und berief sich dabei auf nicht näher bezeichnete "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" aus Berichten des Inlandsnachrichtendienstes.

Konkrete Gründe oder belastbare Beweise für den Ausschluss wurden nicht genannt. Weimer begründete seine Entscheidung lediglich damit, dass steuerfinanzierte Preise keine "Staatsfeinde" unterstützen dürften – unter Verweis auf nicht öffentlich gemachte Informationen des Verfassungsschutzes.

Wemheuer verteidigte die Buchhandlungen als unverzichtbare Orte des kulturellen Austauschs. Sie argumentierte, dass ihre Streichung ohne nachvollziehbare Begründung einen gefährlichen Präzedenzfall für staatliche Einmischung in die Kunstszene schaffe.

Die drei Buchhandlungen bleiben ohne öffentliche Erklärung von der Shortlist ausgeschlossen. Die Kontroverse zeigt die Spannungen zwischen staatlicher Aufsicht und kultureller Unabhängigkeit auf. Die endgültigen Preisträger werden nun aus den verbleibenden Nominierten ausgewählt.

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