Florentina Holzingers radikale Sancta Susanna polarisiert an der Stuttgarter Oper
José MartinFlorentina Holzingers radikale Sancta Susanna polarisiert an der Stuttgarter Oper
Eine kühne Neuinterpretation von Paul Hindemiths umstrittenem Opernwerk Sancta Susanna feiert Premiere an der Staatsoper Stuttgart
Unter der Regie der Performancekünstlerin Florentina Holzinger ist eine radikal neue Version von Hindemiths Sancta Susanna entstanden, die liturgische Musik mit Pop und Metal verbindet – eine "völlig neue Form der Messfeier", wie sie es nennt. Die am 1. Oktober uraufgeführte Produktion hat bereits für heftige Reaktionen gesorgt, darunter 18 medizinische Zwischenfälle trotz eines Trigger-Warnhinweises für das Publikum.
Das Originalwerk Sancta Susanna, 1921 von Hindemith komponiert, wurde damals von der Stuttgarter Oper wegen angeblicher Blasphemie abgelehnt. Holzinger greift die skandalträchtigen Themen auf, verlagert den Fokus jedoch auf eine feministische Neudeutung. Die Frauen in der Inszenierung beanspruchen ihren Platz in der christlichen Geschichte, nutzen Nacktheit und Anspielungen auf die Wunden Christi, um traditionelle Erzählungen herauszufordern.
Die Proben zu Sancta zogen sich über Monate hin, wobei bis zur Premiere immer wieder neue Elemente eingefügt wurden. Die Produktion verbindet klassische Stücke mit neu arrangierten Popsongs und schafft so ein unberechenbares, immersives Erlebnis. Die schwedische Dirigentin Marit Strindlund, auf Einladung von Stuttgarts Opernintendant Viktor Schoner, bezeichnet Holzingers Ansatz als eine "völlig neue Form der Bühnenkunst" – eine Inszenierung, die aufklärt, provoziert, unterhält und gesellschaftliche Debatten über "kollektive Wunden" erzwingt.
Strindlund musste sich dabei auf Holzingers unkonventionelle Methoden einstellen – von schockierenden Bildern bis hin zu ungewöhnlichen Arbeitsprozessen. Herausgekommen ist eine Aufführung, die das Publikum packt – ob durch Schock, Neugier oder Nachdenklichkeit.
Sancta ist noch am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November an der Staatsoper Stuttgart zu sehen. Für die Oktober-Termine sind noch Karten erhältlich.
Holzingers Sancta sprengt Genregrenzen, indem es Oper, Performancekunst und feministische Kritik verschmilzt. Die intensive Körperlichkeit und die provokanten Themen haben bereits Spuren hinterlassen – bei der Premiere kam es zu Notfalleinsätzen. Wer die Vorstellung besucht, darf sich auf ein ebenso konfrontatives wie künstlerisches Erlebnis einstellen.






