Hannovers zwei Milliarden Euro Schulden: Wer zahlt die Zeche für die Sparmaßnahmen?
Fatima TrubinHannovers zwei Milliarden Euro Schulden: Wer zahlt die Zeche für die Sparmaßnahmen?
Hannover steht vor einer tiefen Finanzkrise mit Schulden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Oberbürgermeister Belit Onay hat eine durchgesickerte Liste mit geplanten Kürzungen bei grundlegenden Dienstleistungen scharf kritisiert und einige Vorschläge als verantwortungslos bezeichnet. Die Stadt steht nun unter Druck, ihren Haushalt auszugleichen, ohne dabei schutzbedürftige Bürgerinnen und Bürger zu gefährden.
Die Bundesregierung, die Länderbehörden und die kommunalen Spitzenverbände haben kürzlich eine Liste mit 70 Sparmaßnahmen erarbeitet, die zwar Milliarden einsparen könnten, gleichzeitig aber Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche reduzieren würden. Das durchgesickerte Dokument, das vom Paritätischen Gesamtverband veröffentlicht wurde, sieht Kürzungen in Höhe von mindestens 8,6 Milliarden Euro vor.
Onay lehnt die Vorschläge entschieden ab – insbesondere jene, die die Behindertenhilfe und die Ganztagesbetreuung von Kindern betreffen. Solche Einschnitte seien absurd und würden diejenigen treffen, die am stärksten auf diese Leistungen angewiesen sind, argumentiert der Oberbürgermeister. Zudem kritisiert er die Art und Weise, wie die Liste entstanden ist: Sie erwecke fälschlicherweise den Eindruck, die kommunalen Spitzenverbände stünden voll hinter den Maßnahmen.
Hannovers finanzielle Probleme kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Gewerbesteuereinnahmen sich nach dem pandemiebedingten Einbruch wieder erholen. Trotz dieser Besserung kann die Stadt jedoch nicht alle gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen finanzieren – Aufgaben, die eigentlich von Land und Bund getragen werden müssten. Mit begrenzten Spielräumen hat Hannover dem Land Niedersachsen einen Haushaltskonsolidierungsplan vorgelegt, der vor allem "freiwillige Leistungen" wie Kultur, Sport und Jugendförderung kürzen soll.
Onay ist überzeugt, dass eine bessere Einnahmenbewirtschaftung und effizientere Dienstleistungen die Krise abmildern könnten. Konkrete Pläne kann er jedoch nicht öffentlich nennen. Ob die Stadt ihre Finanzen in den Griff bekommt, hängt nun von schwierigen Entscheidungen ab: Welche Leistungen können erhalten bleiben – und welche nicht?
Die geplanten Kürzungen haben eine Debatte ausgelöst, wie Städte wie Hannover ihre Schulden abbauen können, ohne dabei unverzichtbare Angebote zu gefährden. Onays Widerstand zeigt das Spannungsfeld zwischen finanzieller Überlebensfähigkeit und dem Schutz sozial Schwacher. Vorerst muss die Stadt abwarten, wie Niedersachsen auf ihren Konsolidierungsplan reagiert – während sie sich mit einem labilen Haushalt durch die Krise manövriert.






