Ines Geipels neues Buch enthüllt Deutschlands gebrochene Erinnerung an Buchenwald
José MartinInes Geipels neues Buch enthüllt Deutschlands gebrochene Erinnerung an Buchenwald
Achtzig Jahre nach der Befreiung Buchenwalds ringt das Gedenken an den Holocaust in Deutschlands demokratischer Mitte noch immer um Anerkennung. Die Schriftstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Ines Geipel, legt nun ein neues Buch vor, das diese Lücke im kollektiven Gedächtnis der Bundesländer untersucht.
Geipels jüngstes Werk "Landschaften ohne Zeugen: Buchenwald und der Bruch des Erinnerns", erschienen im S. Fischer Verlag, zeichnet die Ursprünge des Systems der Konzentrationslager nach. Gleichzeitig stellt es die Mythen infrage, die in Deutschland nach 1945 entstanden – insbesondere die Unfähigkeit des Landes zu trauern und seine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber der historischen Erinnerung.
Seit der Wiedervereinigung 1990 hat sich Deutschlands Umgang mit der Holocaust-Erinnerung gewandelt. Die DDR pflegte einst eine selektive antifaschistische Erzählung, die den kommunistischen Widerstand betonte, während die breitere deutsche Schuld ausgeblendet wurde. Das wiedervereinigte Deutschland übernahm später einen institutionalisierteren Ansatz mit staatlich geförderten Mahnmalen wie dem 2005 eingeweihten Holocaust-Mahnmal in Berlin und offiziellen Gedenktagen. Doch in jüngster Zeit mehren sich neue Bedrohungen: vom Aufstieg der AfD über Forderungen nach einem "Schlussstrich" unter die Erinnerung bis hin zum Anstieg antisemitischer Vorfälle seit 2023.
Die Diskussion über Geipels Buch findet auf der Leipziger Buchmesse statt und wird von Ulrich Gutmair, Kulturredakteur unserer Website, moderiert. Ihr Werk zeigt, wie die Angriffe auf Deutschlands Erinnerungskultur mittlerweile weit über das rechtsextreme Milieu hinausreichen.
Geipels Buch erscheint zu einer Zeit, in der das Verhältnis des Landes zu seiner Vergangenheit neuen Herausforderungen gegenübersteht. Indem es die Brüche in der deutschen Erinnerungskultur aufdeckt, unterstreicht es den anhaltenden Kampf um die Aufarbeitung der Hinterlassenschaften zweier Diktaturen. Die Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse wird eine Plattform für die weitere Debatte über diese Themen bieten.






