Pharmazeutische Dienstleistungen boomen – doch Apotheken kämpfen mit Verlusten
José MartinPharmazeutische Dienstleistungen boomen – doch Apotheken kämpfen mit Verlusten
Pharmazeutische Dienstleistungsverträge (pDL) in Deutschland verzeichnen starken Anstieg – doch viele Apotheken schreiben rote Zahlen
Seit der Einführung der vergüteten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) im Jahr 2016 hat das Programm einen deutlichen Aufschwung erlebt. Damals führten Apotheken rund 1,2 Millionen dieser Leistungen durch – bis 2024 stieg die Zahl auf über 25 Millionen. Dennoch bleibt ein großer Teil der dafür vorgesehenen 537 Millionen Euro ungenutzt, und viele Apotheken kämpfen damit, kostendeckend zu arbeiten.
Das pDL-Programm sollte das Angebot gesundheitsbezogener Dienstleistungen in Apotheken erweitern, etwa durch Risikobewertungen bei Bluthochdruck. Zwar ist die Nachfrage stetig gestiegen, angetrieben durch Digitalisierung und finanzielle Anreize, doch die Inanspruchnahme bleibt hinter den Erwartungen zurück. Derzeit erwirtschaftet nur etwa jede dritte Apotheke mit diesen Untersuchungen, für die eine Nettovergütung von 11,20 Euro pro Leistung gezahlt wird, einen Gewinn.
Hürden für Apotheken: Personalmangel, Bürokratie und Platznot Die Umsetzung der pDL-Dienstleistungen scheitert oft an praktischen Hindernissen: Fachkräftemangel, hoher administrativer Aufwand und beengte räumliche Verhältnisse erschweren den Betrieb. Zudem belasten Spannungen zwischen den Gesundheitsberufen die Situation zusätzlich. Die Freie Apothekerschaft (FA) räumt zwar ein, dass Apotheken über das nötige Fachwissen verfügen, kritisiert jedoch, dass die Vergütung häufig die Kosten nicht deckt.
Eine aktuelle Studie warnt davor, ungenutzte pDL-Mittel in allgemeine Apothekenzahlungen umzuleiten – dies könnte die langfristige Struktur des Programms gefährden. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert nun höhere und nachhaltige pDL-Honorare, um die Leistungen flächendeckend zu sichern. Ohne Anpassungen riskieren die Verantwortlichen, dass Apotheken die Untersuchungen nicht mehr kostendeckend anbieten können.
Zukunft des Programms ungewiss: Ohne Reformen droht Rückzug der Apotheken Zwar hat sich das pDL-Programm deutlich ausgeweitet, doch finanzielle und logistische Hindernisse bestehen fort. Bleibt die Vergütung auf dem aktuellen Niveau, könnten viele Apotheken ihre Angebote reduzieren oder ganz einstellen. Die Politik steht vor der Aufgabe, diese Probleme zu lösen – sonst sind die Zukunft des Programms und die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Gefahr.