14 March 2026, 00:24

Streit um Palantir-Software spaltet deutsche Polizeibehörden und Parteien

Eine Gruppe von Polizisten steht vor einem großen Gebäude mit Fenstern, Säulen und Bögen, mit Fahrzeugen auf der Straße und einer Person mit einer Kamera auf der linken Seite, unter einem klaren blauen Himmel mit Bäumen, Ampeln und Flaggen im Hintergrund.

Streit um Palantir-Software spaltet deutsche Polizeibehörden und Parteien

In Deutschland ist ein politischer Streit über den Einsatz der Analysesoftware des US-Unternehmens Palantir durch die Polizei entbrannt. Während die CDU die Technologie zur Bekämpfung von Kriminalität unterstützt, lehnen SPD und Grüne sie aus Datenschutzgründen ab. Kritiker warnen vor den Risiken, die mit der Abhängigkeit von einem amerikanischen Anbieter verbunden sind.

Die Software von Palantir wird bereits in mehreren Bundesländern genutzt. Hessen setzt seit 2017 auf HessenDATA, während Bayerns System VeRA im August 2024 in Betrieb ging. Die Plattform DAR in Nordrhein-Westfalen ist seit Mai 2022 aktiv, und Baden-Württemberg schloss im März 2025 einen Vertrag ab – die Einführung ist ab dem zweiten Quartal 2026 geplant.

Andere Regionen haben die Software jedoch abgelehnt. Die regierenden Koalitionen aus SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen blockierten ihre Einführung mit Verweis auf Datenschutzbedenken. Auch Bundesbehörden wurde im Januar 2026 der Zugang verwehrt, nachdem Justizministerin Hubig eingriff.

Die Bürgerrechtsorganisation AG KRITIS übt scharfe Kritik an Palantirs "Datenpipelines", die ihrer Ansicht nach "flächendeckende Überwachung von Grund auf" ermöglichen. Die Gruppe argumentiert, die Systemstruktur könne zu massenhafter Datensammlung und automatisierten Entscheidungsprozessen führen – mit verfassungsrechtlich bedenklichen Folgen. Zudem warnen die Aktivisten vor einer langfristigen Abhängigkeit von einem US-Technologiekonzern und fordern stattdessen den Vorrang für den bundeseigenen P20-Datenhub.

Die CDU kontert mit Forderungen nach einer Reform des Polizeirechts, um den Einsatz spezieller Software zu erlauben, und behauptet, dies würde die Aufklärungsquote bei Straftaten steigern. Ihr Vorschlag umfasst eine Neuordnung der polizeilichen Datenspeicherung, bei der jeder Datensatz vor der Analyse durch entsprechende Tools klar rechtlich gekennzeichnet werden müsste. SPD und Grüne bestehen hingegen auf der Entwicklung europäischer oder staatlicher Alternativen – bisher wurde jedoch keine konkrete Ersatzsoftware benannt oder umgesetzt.

Die Debatte offenbart tiefe Gräben in der Frage der Polizeitechnologie in Deutschland. Während einige Bundesländer Palantirs Rolle weiter ausbauen, suchen andere nach souveränen Lösungen, um Abhängigkeiten von den USA zu vermeiden. Bisher gibt es jedoch keine greifbare europäische Alternative – die Angelegenheit bleibt damit ungelöst.

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