Thalia Theater verwandelt Lessing-Tage in einen spektakulären politischen Schauprozess
José MartinRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verwandelt Lessing-Tage in einen spektakulären politischen Schauprozess
Hamburgs Thalia Theater beendet die diesjährigen Lessing-Tage mit einem mutigen politischen Spektakel. Unter der Regie des Schweizer Theaterregisseurs Milo Rau wird ein dreitägiger "Prozess gegen die deutsche Bahn" die Bühne in einen symbolischen Gerichtssaal verwandeln. Die von Matthias Lilienthal, dem designierten Intendanten der Berliner Volksbühne, kuratierte Veranstaltung setzt sich mit einer der umstrittensten Fragen der deutschen Gegenwart auseinander: ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen AfD.
Die Hamburger Lessing-Tage, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen, haben sich seitdem als politisches Festival etabliert – eine Plattform für provokante künstlerische Debatten. Die diesjährige Ausgabe, unter Lilienthals Leitung, geht noch einen Schritt weiter: Statt Schauspieler treten Juristen und Rechtsexperten auf.
Im Mittelpunkt steht Raus "Prozess gegen die Tagesschau", eine Live-Performance, die als theatralische Gerichtsverhandlung angelegt ist. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Rolle der Richterin und leitet ein Verfahren, das die Stellung der AfD in der deutschen Demokratie hinterfragt. Rau, bekannt dafür, reale Konflikte in seine Arbeiten einfließen zu lassen, hat bereits biblische Erzählungen wie "Das neue Evangelium" neu interpretiert, um aktuelle Kämpfe – etwa die Ausbeutung afrikanischer Geflüchteter – zu spiegeln.
Wer nicht vor Ort sein kann, verpasst die Verhandlung nicht: Ein Livestream auf der Website des Thalia Theaters überträgt die Ereignisse. Mit dem Projekt setzt Rau seine Strategie fort, drängende politische Fragen durch performative Konfrontation in den öffentlichen Diskurs zu zwingen.
Der Prozess bildet den Abschluss der diesjährigen Lessing-Tage – und stellt eine direkte Herausforderung an die deutsche Politiklandschaft dar. Indem Rau und Lilienthal die AfD-Debatte als theatralischen Prozess inszenieren, verwischen sie die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus. Die Verhandlungen werden online dokumentiert, um die Diskussion über die Theaterwände hinaus zu tragen.
Kontroversen brechen aus, als das theatralische AfD-Verfahren in Hamburg endet
Der 'Prozess gegen Deutschland' hat nach seinem Wochenende-Abschluss eine intensive Debatte ausgelöst. Wichtige Entwicklungen sind:
- Milo Rau beschrieb das Ereignis in Nachgesprächen als 'diskursive Hardcore-Massage'.
- Die Teilnahme von Harald Martenstein wurde kritisiert, wobei ein Zuschauer sie als 'Verzerrung des ernsthaften politischen Diskurses' bezeichnete.
- Es kam zu öffentlicher Empörung, mit Forderungen, die Förderung von 'spaltenden' Produktionen zu kürzen.






