AfD zerrissen: Machtkampf zwischen Pro-Amerikanern und Putin-Verstehern eskaliert
Nada BlochAfD zerrissen: Machtkampf zwischen Pro-Amerikanern und Putin-Verstehern eskaliert
Tiefe interne Spaltungen in der rechtsextremen AfD: Streit um Außenpolitik und Verteidigung
Die rechtspopulistische AfD steht vor tiefgreifenden internen Konflikten über ihre Außen- und Sicherheitspolitik. Aktuelle Auseinandersetzungen offenbaren scharfe Gegensätze zwischen den proamerikanischen und prorussischen Flügeln der Partei, wobei führende Vertreter die Positionen der jeweils anderen Seite öffentlich kritisieren.
Im Mittelpunkt der Streitigkeiten stehen die Beziehungen zu den USA, der NATO und Russland sowie umstrittene Vorhaben wie Martin Sellners "Remigrations"-Plan, der sowohl rechtlich als auch ethisch scharf verurteilt wird.
Der Konflikt eskalierte, nachdem der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla auf einem Parteitag im April 2026 in Sachsen den Abzug aller US-Truppen aus Deutschland gefordert hatte. Zudem verlangte er den Austritt aus dem NATO-Programm zur nuklearen Teilhabe und warf dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump vor, Wahlkampfversprechen nicht eingehalten zu haben. Seine Haltung löste umgehend Widerspruch innerhalb der Partei aus.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah positionierte sich öffentlich gegen Chrupallas Forderungen. Er betonte, Deutschland brauche "starke Partner", und verglich die aktuelle deutsch-amerikanische Allianz mit der historischen Zusammenarbeit während des Kalten Krieges. Krah kritisierte zudem die wechselhafte Außenpolitik der AfD, die zunächst Russland und Wladimir Putin unterstützt habe, sich dann Trump zugewandt und nun – nach der Iran-Krise – erneut von den USA distanziere.
Weitere Spannungen entstanden, als der einflussreiche AfD-Politiker Björn Höcke im Rahmen der Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht erklärte, Deutschland in seiner heutigen Form sei "nicht verteidigenswert". Seine Äußerungen führten zu einer direkten Konfrontation mit Rüdiger Lucassen, dem verteidigungspolitischen Sprecher der Partei. Lucassen warf Höckes prorussischem Flügel vor, ihn aus der Partei drängen zu wollen, bezeichnete sie als "Putinisten" und warnte, Russland stelle die größte Bedrohung für die östliche NATO-Flanke dar.
Die Uneinigkeit erstreckte sich auch auf den Umgang mit der Iran-Krise. Der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck verfasste eine proamerikanische Pressemitteilung, die jedoch von Chrupalla und der Co-Vorsitzenden Alice Weidel blockiert wurde. Lucassen kritisierte unterdessen die Parteiführung, weil sie abweichende Meinungen unterdrücke, und warnte vor einer möglichen Spaltung, falls die AfD ihre Widersprüche nicht löse.
Krah verschärfte die Kritik an der antiamerikanischen Rhetorik der AfD und ihrer unklaren Haltung zu Sellners "Remigrations"-Plan. Gerichte hatten den Vorschlag – der bis zu sechs Millionen Bürger betreffen könnte – bereits als verfassungswidrig und als Verstoß gegen die Menschenwürde eingestuft. Krah warnte, solche Positionen machten eine Zusammenarbeit mit demokratischen Parteien unmöglich.
Die internen Konflikte der AfD haben unüberbrückbare Differenzen in Fragen der Verteidigung, Außenpolitik und ideologischen Ausrichtung offenbart. Angesichts der gegensätzlichen Standpunkte führender Vertreter zu NATO, Russland und den USA wächst der Druck auf die Partei, klare Positionen zu beziehen – oder riskiert sie eine weitere Zersplitterung. Rechtliche und politische Herausforderungen, insbesondere um den "Remigrations"-Plan, untergraben zudem ihre Glaubwürdigkeit.






