Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsarbeit erreichen neuen Höhepunkt
Nada BlochAntifeministische Angriffe auf Gleichstellungsarbeit erreichen neuen Höhepunkt
Antifeminismus breitet sich in Deutschland aus – organisierte Angriffe auf Gleichstellungsarbeit nehmen zu
Auf dem diesjährigen Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck trafen sich Aktivistinnen, Aktivisten und Verantwortliche unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“, um über Strategien des Widerstands zu diskutieren. Gleichzeitig häufen sich in den letzten Monaten Vandalismus und Drohungen gegen Gleichstellungsbeauftragte.
Das Ausmaß der Problematik wurde auf dem BAG-Kongress deutlich: 350 Gleichstellungsbeauftragte berichteten von weitverbreiteter Feindseligkeit. Eine Umfrage ergab, dass 63 Prozent in ihrer Arbeit bereits antifeministische Angriffe erlebt hatten, während 40 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren mehrfach betroffen waren. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg schilderte, wie rechtsextreme Aktivisten nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Auch symbolträchtige Projekte der Gleichstellung wurden zum Ziel physischer Attacken. Orangefarbene Bänke, die im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt worden waren, wurden in mehreren Städten beschädigt. In Osnabrück wurde eine Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden verschwand eine komplett. In Annweiler wurde der ursprüngliche Aufruf der Bank sogar verfälscht – mit einer Botschaft, die Gewalt gegen Frauen verherrlichte.
Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete allein 2024 bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Die Teilnehmenden des Kongresses betonten die Dringlichkeit stärkerer Netzwerke, eines intensiveren Austauschs und breiterer Bündnisse, um der wachsenden Bewegung etwas entgegenzusetzen. Ihre Appelle an die Solidarität fallen jedoch in eine Zeit schwindender politischer Unterstützung: Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab, und ihre geplante Umstrukturierung droht, die Finanzierung von Gleichstellungsprogrammen zu kürzen.
Die Zunahme antifeministischer Angriffe konfrontiert Gleichstellungsbeauftragte mit Vandalismus, Budgetkürzungen und offener Ablehnung. Da Vorfälle mittlerweile wöchentlich auftreten, drängen Aktivistinnen und Aktivisten auf engere Zusammenarbeit, um ihre Arbeit zu schützen. Der Kongress in Lübeck markierte einen wichtigen Schritt in der Vernetzung des Widerstands – doch die Herausforderungen bleiben enorm.






