Bachmanns Gott, prekäre Leben und ein Frauen-Jury-Debüt in Klagenfurt
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt setzten Schwerpunkte auf wirtschaftliche Not und künstlerische Freiheit. Autorinnen und Autoren beschäftigten sich in ihren Texten mit prekären Lebensverhältnissen, oft unter Verwendung von Motiven wie „Flecken“ oder „blinden Stellen“. Einige Werke wurden für ihre ungeschönte, proletarische Perspektive gefeiert.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem der allmächtige Gott als Angeklagter vor Gericht steht und von einer Richterin befragt wird. Obwohl ihm Vorwürfe gemacht werden, entgeht er einer Strafe, indem er schlicht die Wahrheit sagt.
Bei der Preisverleihung ging Schaette als Gewinnerin hervor: Sie erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für Was wir tragen. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Schilderung des Alltags einer „Ostblock-Mädchen“ – geprägt von Demütigungen und Kämpfen – ausgezeichnet. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn.
Nicht alle Momente waren von Feierlichkeit geprägt. Slata Roschal weigerte sich nach der Lesung ihrer Geschichte, die sich mit der Literaturszene und nicht mit wirtschaftlicher Not befasste, der Jury gegenüberzutreten. Sie kritisierte die etablierten Strukturen und deren Umgang mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Burkhard Spinnen hingegen betonte, dass künstlerisches Schaffen Freiheit von gesellschaftlichem und finanziellem Druck erfordere.
In diesem Jahr bestand die Jury erstmals ausschließlich aus sieben Frauen. Die Veranstaltung unterstrich die Spannung zwischen künstlerischem Ausdruck und wirtschaftlicher Realität. Viele der als „wunderbar proletarisch“ gelobten Texte spiegelten die Herausforderungen prekärer Lebensumstände wider.
