Deutsche Industrie warnt vor bleibenden Schäden ohne dringende Reformen
Nikolaus FreudenbergerDeutsche Industrie warnt vor bleibenden Schäden ohne dringende Reformen
Deutschlands Industrie steht vor neuen Herausforderungen, da sich die Stimmung in der Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026 weiter eintrübt. Nach einem zögerlichen Aufschwung Ende 2025 warnten Führungskräfte auf der Hannover Messe, dass dringend Reformen nötig seien, um bleibende Schäden abzuwenden. Sie forderten die Regierung auf, entschlossen zu handeln, bevor sich die Lage weiter verschärft.
Bis Ende 2025 hatte sich das Vertrauen der Hersteller allmählich erholt. Doch im ersten Quartal 2026 schwand der Optimismus angesichts wachsender Risiken. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rechnet nun mit einem bescheidenen Produktionsanstieg von zwei Prozent – vorausgesetzt, die Spannungen im Iran lassen bis Mitte des Jahres nach. Gleichzeitig prognostiziert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für 2026 nur ein Prozent Wachstum im Maschinen- und Anlagenbau.
Auf der Messe forderten Branchenvertreter umfassende Veränderungen. Gunther Kegel, Präsident des ZVEI, betonte, dass längst überfällige Reformen nicht länger ignoriert werden dürften. Bertram Kawlath, Chef des VDMA, argumentierte, dass halbherzige Maßnahmen die Krise nicht lösen würden. Er setzte sich für niedrigere Unternehmenssteuern, eine Deckelung der Sozialabgaben und flexiblere Arbeitszeiten ein. Zudem plädierte er für eine Anhebung des Renteneintrittsalters, um den Fachkräftemangel zu mildern.
Trotz der düsteren Prognosen sehen manche Chancen in den steigenden Verteidigungsausgaben. Die Branche setzt auf milliardenschwere Investitionen, die die umsatzbezogenen Einnahmen im Rüstungsbereich innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln könnten. Kawlath warnte jedoch, dass ohne politische Kurskorrekturen die Schäden für die Industrie dauerhaft würden.
Die Warnungen von der Hannover Messe markieren einen entscheidenden Moment für die deutsche Industrie. Scheitern die Reformen, bleibt das Produktionswachstum schwach – und es drohen langfristige Folgen. Derzeit hängt die Erholung der Branche von politischen Weichenstellungen und einer Stabilisierung der globalen Risiken ab.






