07 June 2026, 14:19

Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren

Deutschland verstößt gegen EU-Regeln zur Lohngleichheit

Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Vertragsverletzungsverfahren

Deutschland hat die EU-Frist für die Einführung neuer Lohntransparenzgesetze verpasst. Das Land hätte die Vorschriften bis Montag, den 10. Juni 2026, umsetzen müssen, doch dies ist bisher nicht geschehen. Durch die Verzögerung verstößt Deutschland gegen EU-Recht, das darauf abzielt, die geschlechtsspezifische Lohnlücke zu schließen.

Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz soll die ungleiche Bezahlung in den Mitgliedstaaten bekämpfen. Derzeit verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 15,6 % weniger pro Stunde als Männer – ein höherer Wert als der EU-Durchschnitt von 11,1 %. Nach den neuen Regeln erhalten Beschäftigte das Recht, Informationen über Gehälter anzufordern, während Unternehmen verpflichtet sind, die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern offenzulegen und Startgehälter zu veröffentlichen. Zudem dürfen Arbeitgeber Bewerber:innen künftig nicht mehr nach ihren vorherigen Einkünften fragen.

Die Umsetzung der Richtlinie in Deutschland wird nun für Anfang 2027 erwartet, wobei die ersten Berichtspflichten für Juni 2028 vorgesehen sind. Familienministerin Karin Prien betonte zwar die Notwendigkeit der Maßnahmen, forderte jedoch, den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Die Europäische Kommission könnte nun rechtliche Schritte einleiten, darunter ein mögliches Vertragsverletzungsverfahren.

Durch die Verzögerung bleibt Deutschland vorerst nicht konform mit den EU-Vorgaben zur Lohntransparenz. Unternehmen müssen sich künftig auf strengere Meldepflichten einstellen, während Arbeitnehmer:innen neue Rechte auf Gehaltsinformationen erhalten. Die ersten konkreten Änderungen werden allerdings frühestens Mitte 2028 erwartet.

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