EU plant schärfere Alterskontrollen in sozialen Medien – was das für Jugendliche bedeutet
José MartinEU plant schärfere Alterskontrollen in sozialen Medien – was das für Jugendliche bedeutet
Europaweite Forderungen nach strengeren Alterskontrollen in sozialen Medien gewinnen an Fahrt
In Europa wächst der Druck für schärfere Alterskontrollen in sozialen Netzwerken. Die deutsche Europaministerin Melanie Walter schlägt ein EU-weites System vor, das die EU-Digital-Identity-Wallet (EUDI) nutzt, um das Alter der Nutzer:innen zu überprüfen. Der Vorstoß kommt angesichts wachsender Sorgen über die Auswirkungen suchtfördernder Algorithmen und KI-gesteuerter Inhalte auf Jugendliche unter 16 Jahren.
Bisher gibt es kein EU-weit gültiges Gesetz, das Plattformen zwingt, das Alter ihrer Nutzer:innen zu verifizieren oder Kindern den Zugang zu sozialen Medien zu verwehren. Der Digital Services Act (DSA) verlangt von Unternehmen lediglich "angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen" zum Schutz Minderjähriger – ohne klare Altersgrenzen festzulegen. Dadurch sind die Mitgliedstaaten gezwungen, eigene Regelungen zu entwickeln.
In Frankreich hat die Nationalversammlung kürzlich ein Verbot sozialer Medien für unter 15-Jährige beschlossen, allerdings muss der Senat dem Vorhaben noch zustimmen. Spanien arbeitet an einem Gesetzesentwurf nach australischem Vorbild, während Griechenland und Dänemark Beschränkungen für unter 15-Jährige planen – mit der Besonderheit, dass Dänemark ab 13 Jahren die Zustimmung der Eltern zulässt. Auch Brasilien hat strengere Altersverifikationsregeln eingeführt, die im März 2026 in Kraft treten sollen.
In Deutschland fordert die Landesregierung von Niedersachsen ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren. Ministerpräsident Olaf Lies warnte, junge Nutzer:innen seien der suchterzeugenden Gestaltung der Plattformen schutzlos ausgeliefert. Nun wird die Bundesregierung aufgefordert, sich auf EU-Ebene für verbindliche Alterskontrollen einzusetzen.
Laut Walters Vorschlag müssten soziale Medien eine datenschutzfreundliche Altersüberprüfung einführen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass Jugendliche unter 16 Jahren nur auf altersgerechte Inhalte zugreifen – frei von suchtfördernden Algorithmen und KI-basierten Empfehlungen.
Wird das System umgesetzt, würde es die Alterskontrollen in der EU vereinheitlichen und das derzeitige Flickwerk nationaler Regelungen ersetzen. Plattformen stünden dann in der Pflicht, Minderjährige besser zu schützen, während Regierungen ein einheitliches Instrument zur Durchsetzung der Vorschriften erhielten. Die nächsten Schritte hängen von den Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten und den EU-Institutionen ab.






