09 May 2026, 14:25

Gedenkfeier in Halle: Erinnerung an Widerstandskämpfer trifft auf politische Spannungen

Schwarzes und weißes Plakat zum 25. Jahrestag der Sowjetunion, das eine Gruppe mit einer Flagge zeigt, umgeben von Text und Blättern.

Gedenkfeier in Halle: Erinnerung an Widerstandskämpfer trifft auf politische Spannungen

Vertreter aus Politik, Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft versammelten sich am Sonntag auf dem Südfriedhof in Halle (Saale). Die Veranstaltung markierte den 81. Jahrestag der Befreiung der Stadt von der NS-Herrschaft. Es wurde derer gedacht, die sich gegen das Regime auflehnten – doch die Anwesenheit umstrittenener Gruppen sorgte für Spannungen.

Die Gedenkfeier begann mit der Niederlegung von Blumen, vor allem roten Nelken, am Ehrenhain für die deutschen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Gisela Döring von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) erinnerte in ihrer Rede an den Mut der Frauen und Männer, die sich der NS-Diktatur widersetzten. Sie würdigte ihre Opferbereitschaft in einer der dunkelsten Epochen der Geschichte.

Lukas Wanke, ebenfalls von der VVN-BdA, betonte, dass die Erinnerung an die Rolle der Roten Armee bei der Niederlage des Faschismus nicht instrumentalisiert werden dürfe, um heutige Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen. Er warnte, der Kampf gegen rechtsextreme Ideologien bleibe dringend notwendig – dies sei eine klare politische Positionierung. Seine Worte fielen zu einem Zeitpunkt, als Mitglieder der „Haller Bewegung“ mit russischen Fahnen und Symbolen auf der Veranstaltung erschienen.

Kritiker werfen der Gruppe vor, Verbindungen zur rechtsextremen AfD zu unterhalten und Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Eric Stehr, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt, mahnte die Anwesenden, sich angesichts von Faschismus – ob historisch oder aktuell – nicht neutral zu verhalten. Unterdessen legte Dr. Judith Marquardt, Halles stellvertretende Bürgermeisterin für Kultur und Sport, im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt einen offiziellen Kranz nieder.

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Auf dem Südfriedhof befinden sich die Gräber von 977 sowjetischen Bürgern, obwohl Halle selbst im April 1945 von der US-amerikanischen 104. Infanterie-Division befreit wurde. Der Kontrast zwischen der historischen Bedeutung des Ortes und den politischen Spannungen des Tages verlieh den Gedenkfeiern eine besondere Brisanz.

Die Veranstaltung ehrte jene, die sich gegen die NS-Unterdrückung stellten, und legte zugleich aktuelle gesellschaftliche Gräben offen. Die Redner verbanden die historische Erinnerung mit den heutigen Kämpfen gegen Extremismus. Der Jahrestag war Mahnung an die Vergangenheit und zugleich Appell, auch heute wachsam zu bleiben.

Quelle