Neue Enthüllungen im VW-Abgasskandal: Winterkorn wusste früher als bekannt
José MartinNeue Enthüllungen im VW-Abgasskandal: Winterkorn wusste früher als bekannt
Der Abgasskandal bei Volkswagen hat sich weiter zugespitzt, nachdem neue Details über frühere Kenntnisse der manipulativen Software bekannt geworden sind. Ein Fachmann soll bereits im Juli 2015 Spitzenmanager – darunter Martin Winterkorn – über die betrügerische Abschalteinrichtung informiert haben. Die Enthüllung verschärft die laufenden Ermittlungen gegen die Unternehmensführung.
Martin Winterkorn war demnach mindestens zwei Monate vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals im September 2015 über die illegale Abgas-Software im Bilde. Ein VW-Emissionsspezialist unterrichtete ihn und Herbert Diess am 27. Juli 2015 über die manipulativen Programme, mit denen weltweit rund 11 Millionen Fahrzeuge ausgestattet waren.
Angesichts wachsenden Drucks wurde Winterkorns Position unhaltbar. Kurz nach Ausbruch des Skandals trat er zurück, und Matthias Müller übernahm den Vorsitz. Müller setzte seitdem auf eine Neuausrichtung des Konzerns mit Fokus auf E-Mobilität, digitale Dienstleistungen und autonomes Fahren.
Doch schon vor der Krise hatte interne Machtkämpfe das Unternehmen erschüttert. Ferdinand Piëch, der langjährige Patriarch der Volkswagen Gruppe, lag mit Winterkorn in einem Führungsstreit über Kreuz. Hans Dieter Pötsch, der Piëch als Aufsichtsratsvorsitzender nachfolgte, sieht sich nun selbst wegen des Verdachts auf Marktmanipulation Ermittlungen ausgesetzt.
Die Forderungen nach Transparenz werden immer lauter. Wolfgang Porsche, eine Schlüsselfigur der Porsche/Piëch-Familie, drängt auf offene Debatten über schwierige Themen im Aufsichtsrat. Auch Stephan Weil, der SPD-Ministerpräsident Niedersachsens, spielt als Aufsichtsratsmitglied und Präsidiumsvertreter eine bedeutende Rolle.
Die Ermittlungen gegen Winterkorn und Pötsch wegen des Verdachts auf Betrug und Marktmanipulation laufen weiter. Der Skandal hat bei Volkswagen bereits zu tiefgreifenden Führungswechseln und einer strategischen Neuausrichtung geführt. Die langfristigen Folgen der illegalen Software lasten weiterhin auf dem Konzern.
