Prozess um Schlachthof-Enthüllungen: Tierrechtler gegen Fleischindustrie vor Gericht
Fatima TrubinProzess um Schlachthof-Enthüllungen: Tierrechtler gegen Fleischindustrie vor Gericht
Vor dem Oberlandesgericht Oldenburg hat eine brisante Berufungsverhandlung über ein umstrittenes Video stattgefunden, das Schlachthofpraktiken in der Schweinefleischindustrie aufdeckt. Im Mittelpunkt steht ein Urteil aus dem Jahr 2022, das die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) verpflichtete, Aufnahmen aus dem Schlachthof Lohne zu löschen. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich etwa 120 Demonstranten, die gegen Tierquälerei und die Fleischindustrie protestierten.
Das betreffende Video zeigt Schweine, die mit CO₂ betäubt werden – eine Methode, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereits seit 2004 als bedenklich einstuft. Im Lohner Betrieb sollen wöchentlich rund 15.000 Tiere auf diese Weise behandelt werden. Ariwa verteidigte die Veröffentlichung der Aufnahmen mit dem Argument, es gehe darum, gängige Branchenpraktiken aufzudecken – nicht um eine gezielte Bloßstellung des Schlachthofs oder um Sensationshascherei.
Während der Verhandlung wies die vorsitzende Richterin den Vorwurf zurück, das Video sei rein sensationalistisch. Der Fall berührt zudem grundsätzliche Fragen, etwa zur Meinungsfreiheit und Pressefreiheit, während die Gegenseite auf Rechtseinheitlichkeit und den Schutz der Unternehmenspersönlichkeitsrechte pochte.
Draußen hielten die Demonstranten mit vier Trommlern den Rhythmus ihrer Parolen gegen Schlachthöfe aufrecht. Im Gerichtssaal war die angespannte Stimmung spürbar, als Schlachthofbesitzer Nikolaus Brand zögerte, der Angeklagten Anna Schubert die Hand zu geben.
Das Urteil wird am 26. Mai verkündet. Mit weiteren Berufungen ist zu rechnen, und ein separates Tierschutzverfahren in Niedersachsen steht noch aus. Die Entscheidung könnte richtungsweisend dafür werden, wie verdeckte Ermittlungen zum Tierschutz künftig nach deutschem Recht behandelt werden. Da das Urteil noch in diesem Monat erwartet wird, bereiten sich beide Seiten auf mögliche weitere juristische Auseinandersetzungen vor. Das Ergebnis könnte auch den Ausgang des noch laufenden Verfahrens in Niedersachsen zu denselben Schlachthofpraktiken beeinflussen.






