"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
José Martin"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird oft mit der Großen Pest von London in Verbindung gebracht. Doch seine wahren Ursprünge scheinen weit weniger düster zu sein. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass es sich schlicht um ein harmloses Sing- und Bewegungsspiel für Kinder ohne verborgene Bedeutung handelte.
Erstmals tauchte der Reim 1881 in englischer Druckform auf – ein Zeitabstand, der jede Verbindung zur Pestepidemie des 17. Jahrhunderts unwahrscheinlich macht. Die Theorie, dass der Text Pest-Symptome oder Gegenmittel beschreibe, entstand erst viel später: 1961, über 80 Jahre nach der Veröffentlichung. Fachleute betonen zudem, dass weder Rosen noch Sträuße jemals wissenschaftlich als Symbole für Hautausschläge oder Schutzmaßnahmen belegt wurden.
Auch der historische Kontext spricht gegen die Pest-These. In England war die Feuerbestattung nach der römischen Herrschaft verboten – ein Hinweis auf „Asche“ wäre daher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass das Lied als fröhliches Spiel im Deutschland des 18. Jahrhunderts entstand, bevor es sich verbreitete. Da es in verschiedenen Regionen mit abweichenden Texten überliefert wurde, gestaltet sich die Rückverfolgung eines einzigen Ursprungs schwierig.
Die heute am weitesten anerkannte Erklärung besagt, dass es sich um einen einfachen, heiteren Kinderreim handelte. Seine Wurzeln könnten in den sogenannten „Play Parties“ liegen – geselligen Tanz- und Singveranstaltungen, die unter Jugendlichen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebt waren.
Trotz der hartnäckigen Assoziation mit der Pest gibt es keine handfesten Belege für diese Behauptung. Der Reim bleibt ein unbeschwerter Teil der Kindheit, dessen Ursprünge eher im Spiel als in einer historischen Tragödie zu suchen sind. Die zahlreichen Varianten und das Fehlen klarer historischer Bezüge untermauern diese Sicht.






