27 April 2026, 12:33

Sachsen-Anhalt: Jeder Vierte verdient unter 15 Euro – doch kaum einer kontrolliert

Eine Liniendiagramm, das die Löhne in den Vereinigten Staaten zeigt.

Sachsen-Anhalt: Jeder Vierte verdient unter 15 Euro – doch kaum einer kontrolliert

Fast ein Viertel der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt verdient weniger als 15 Euro pro Stunde – obwohl der gesetzliche Mindestlohn in der Region bei 13,90 Euro liegt. Kritiker sehen nun in der laschen Kontrolle ein zentrales Problem: Betrieben droht im Schnitt nur alle 90 Jahre eine Überprüfung.

2025 erhielten rund 195.000 Arbeitnehmer – das entspricht 23,3 Prozent der Erwerbstätigen – in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro Stundenlohn. Besonders betroffen sind nicht tarifgebundene Arbeitsplätze, wo 35 Prozent der Beschäftigten unter dieser Grenze liegen. Der gesetzliche Mindestlohn, der derzeit bei 13,90 Euro liegt, soll bis 2027 auf 14,60 Euro steigen.

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Doch die Durchsetzung der Vorschriften bleibt ein gravierendes Problem. Die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) führte 2025 lediglich 691 Betriebsprüfungen durch – ein leichter Anstieg gegenüber 677 im Vorjahr. Damit liegt die Zahl bei nur noch 42,4 Prozent der Kontrollen von 2022, als 1.598 Unternehmen überprüft wurden. Der Linke-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Kontrollblindheit" und führt dies auf massive Personalengpässe in den Aufsichtsbehörden zurück.

Der Rückgang der Überwachung ist dramatisch. Bei 62.211 Betrieben in der Region – 2022 waren es noch 65.738 – ist die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle stark gesunken. Statistisch gesehen muss ein Unternehmen nur alle 90 Jahre mit einer Zollprüfung rechnen. In der Landwirtschaft ist die Lage noch prekärer: 2025 wurden lediglich neun von 2.105 Betrieben kontrolliert – ein durchschnittlicher Hof müsste demnach alle 234 Jahre mit einer Überprüfung rechnen.

Die Kombination aus Niedriglöhnen und mangelnder Kontrolle macht viele Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt besonders verletzlich. Da die Kontrollen auf einem historischen Tiefstand liegen und der Personalmangel in den Behörden anhält, klafft die Lücke zwischen gesetzlichen Standards und der Realität in den Betrieben immer weiter auseinander. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns 2027 könnte zwar etwas Entlastung bringen – doch ohne strengere Kontrollen bleibt die Einhaltung der Vorschriften ungewiss.

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