Tunnelbau-Pionier warnt: Deutschland steuert "direkt auf die Wand zu"
Martin Herrenknecht, Chef des weltweiten Tunnelbauunternehmens Herrenknecht AG, hat eine drastische Warnung an Deutschlands Zukunft gerichtet. Er behauptet, das Land steuere „direkt auf die Wand zu“, wenn nicht grundlegende Reformen umgesetzt würden. Seine Kritik kommt zu einer Zeit, in der Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten tief verwurzelte Probleme in Planung und Bürokratie offenbaren.
Herrenknecht, dessen Unternehmen in Schwanau (Baden-Württemberg) ansässig ist, verwies auf ein Logistikzentrum in der Region, das seit dreieinhalb Jahren in der Planungsphase feststeckt. Zum Vergleich: Ein ähnliches Projekt in Chennai, Indien, erhielt bereits nach nur drei Monaten die Genehmigung. Deutschland befinde sich in einem „Dornröschen-Schlaf“, unfähig, effizient voranzukommen, so der Unternehmer.
Der Vorstandsvorsitzende kritisierte zudem die „erdrückende Bürokratie“ des Landes und räumte ein, dass er die Herrenknecht AG unter den heutigen Auflagen nicht hätte gründen können. Sein Unternehmen, das weltweit rund 5.500 Mitarbeiter beschäftigt, dominiert den Markt für Tunnelbohrmaschinen und war an bedeutenden europäischen Großprojekten wie dem Gotthard-Basistunnel, dem Brenner-Basistunnel und dem Bahnprojekt Stuttgart 21 maßgeblich beteiligt.
Doch nicht nur die Bürokratie stand in der Kritik: Herrenknecht prangerte auch gesellschaftliche Einstellungen an und bezeichnete Deutschland als eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“. Übertriebene Vorsicht und unrealistische Forderungen bremsten den Fortschritt, so seine Argumentation.
Die Verzögerungen bei Infrastrukturvorhaben und Herrenknechts Warnungen unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen im deutschen Planungssystem. Seine Äußerungen deuten darauf hin, dass das Land ohne tiefgreifende Veränderungen weiter an globaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte. Der Kontrast zu deutlich schnelleren Genehmigungsverfahren im Ausland macht das Ausmaß des Problems deutlich.






