Vatikan verbietet Laienpredigten – Deutsche Kirche reagiert enttäuscht
Nikolaus FreudenbergerVatikan verbietet Laienpredigten – Deutsche Kirche reagiert enttäuscht
Der Vatikan hat einen Antrag der Deutschen Bischofskonferenz abgelehnt, Laien die Predigt während der Heiligen Messe zu gestatten. Die Entscheidung wurde in einem Schreiben von Kardinal Arthur Roche vom 17. Juni bestätigt. Der Schritt stößt bei Laienverbänden und Frauenorganisationen in Deutschland auf Kritik.
Kardinal Roche, Leiter des Dikasteriums für Gottesdienst und Sakramentenordnung, berief sich in seiner Antwort auf kirchliches Recht. Er verwies auf den Codex des Kanonischen Rechts sowie die Instruktion Redemptionis Sacramentum von 2004, die festlegen, dass nur Priester oder Diakone die Homilie während der Messe halten dürfen. Das Dikasterium betonte, dass es sich dabei nicht lediglich um eine disziplinarische Vorschrift handle, sondern um eine Regelung, die aus dem Wesen der Liturgie selbst hervorgehe.
Die Deutsche Bischofskonferenz hatte um Erlaubnis gebeten, qualifizierte Laien an Sonn- und Feiertagen predigen zu lassen, sofern seelsorgerische Notwendigkeiten bestünden. Doch die Ablehnung des Vatikan war eindeutig: Nichtgeweihte dürfen innerhalb der Eucharistiefeier keine Homilie halten. Die Bischöfe nahmen die Absage und die dahinterstehende Begründung zur Kenntnis.
Papst Franziskus hatte den Synodalen Weg, einen Reformprozess unter Beteiligung deutscher Laiengruppen und Bischöfe, bereits zuvor kritisiert. Er warnte, die Initiative werde von ideologischen Motiven statt von geistlicher Führung geprägt. Trotz der Haltung des Vatikan kündigte Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, an, das Thema weiterhin mit den Bischöfen vorantreiben zu wollen.
Der Katholische Deutsche Frauenbund verurteilte die Entscheidung des Vatikan. Die Organisation argumentierte, der Beschluss zeige die Ausgrenzung von Frauen aus zentralen kirchlichen Rollen. Die Debatte über Laienpredigten wird voraussichtlich im Rahmen der weiteren Diskussionen des Synodalen Wegs in Deutschland fortgeführt.
