VW-Werk Osnabrück: Vom Auto zum Raketenabwehrsystem für Israel?
Volkswagen verhandelt mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael über eine Umnutzung seines kränkelnden Werks in Osnabrück. Die Fabrik, in der derzeit das T-Roc Cabrio gefertigt wird, könnte bald Komponenten für das Luftabwehrsystem Iron Dome produzieren. Dieser mögliche Deal kommt, nachdem Rheinmetall Pläne für eine Übernahme des Standorts Anfang dieses Jahres verworfen hatte.
Das Osnabrücker Werk beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter, doch seine Zukunft ist ungewiss. Der VW T-Roc, das Hauptprodukt des Standorts, wird bis Mitte 2027 auslaufen, sodass die Fabrik ohne ein Kernprojekt dasteht. Gleichzeitig meldete Volkswagen schwache Finanzzahlen für 2025, was den Druck erhöht, die langfristige Rolle des Werks zu sichern.
Ursprünglich hatte Rheinmetall geplant, die Fabrik zu einem Produktionsstandort für sechsrädrige gepanzerte Fahrzeuge umzubauen. Der im März 2025 angekündigte Deal scheiterte jedoch, sodass der Standort ohne klare Alternative blieb. Die nun vorgeschlagene Partnerschaft mit Rafael bietet eine mögliche Rettung.
Nach dem neuen Plan würde das Werk schwere Lkw für Rafaels Iron-Dome-System herstellen. Diese Fahrzeuge transportieren Raketen und Abschussrampen und bilden einen zentralen Bestandteil des Luftabwehrnetzwerks. Rafael entschied sich für Deutschland wegen der starken Ingenieurstradition des Landes und der regierungsseitigen Unterstützung für Israel.
Falls der Deal zustande kommt, könnten die meisten – wenn nicht sogar alle – Arbeitsplätze in Osnabrück gesichert werden. Die Produktion könnte innerhalb von 12 bis 18 Monaten anlaufen. Rafael strebt zudem an, das Iron-Dome-System an europäische Regierungen zu verkaufen, darunter auch an Deutschland, das bereits das israelische Arrow-3-Raketenabwehrsystem nutzt. Bisher hat jedoch kein europäisches Land das Iron Dome offiziell erworben.
Die Vereinbarung würde einen tiefgreifenden Wandel für das Osnabrücker Werk bedeuten – vom Automobilbau zur Rüstungsproduktion. Rafael, einer der größten Rüstungskonzerne Israels mit einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2024, sieht in Deutschland eine strategische Basis für die Expansion auf dem europäischen Markt. Für Volkswagen könnte der Deal Arbeitsplätze sichern und eine vom Schließungsrisiko bedrohte Fabrik neu ausrichten.






