10 May 2026, 12:20

Warum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und wie die Grünen sie zurückgewinnen wollen

Ein pinkes weibliches Geschlechterzeichen auf einem weißen Hintergrund.

Warum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und wie die Grünen sie zurückgewinnen wollen

Junge Männer in Deutschland wenden sich zunehmend der rechten Politik zu – ihre Altersgenossinnen bevorzugen dagegen linksliberale Parteien. Diese Kluft hat den Grünen-Co-Vorsitzenden Felix Banaszak dazu veranlasst, sich direkt an Männer zu wenden, um sie für feministische Themen zu gewinnen. Sein Ansatz stößt jedoch auf sowohl Neugier als auch Kritik.

Ein jüngster Versuch war ein Interview mit dem Playboy im Februar, in dem er Gleichberechtigung als Vorteil auch für Männer darstellte. Doch nicht alle lassen sich von seiner Strategie überzeugen.

Die geschlechtsspezifische Wahlspaltung zeigte sich besonders deutlich bei der letzten Bundestagswahl: Männer unter 24 Jahren stimmten mehrheitlich für die rechtspopulistische AfD, während Frauen desselben Alters sich für linksliberale Parteien entschieden. Diese Entwicklung zwingt Politiker wie Banaszak, ihr Vorgehen im Umgang mit jungen Männern zu überdenken.

Banaszak argumentiert, dass starre Geschlechterrollen nicht nur Frauen, sondern auch Männer einschränken. Er betont, Männer sollten Feminismus als etwas begreifen, das sie befreit – und nicht nur als Einschränkung. Sein in Pink gestrichenes Büro unterstreicht seine Abkehr von traditioneller Männlichkeit, auch wenn diese Entscheidung gemischte Reaktionen hervorruft.

Ein Social-Media-Beitrag, in dem er die Schamgefühle von Männern thematisierte, sollte eine Debatte anstoßen. Einige Frauen im Bundesfrauenrat hinterfragten jedoch, ob ein „Männerforum“ innerhalb der Grünen überhaupt notwendig sei. Andere, wie der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen, schlagen vor, gemeinsame Interessen zu finden, um feministische Ideen für junge Männer attraktiver zu gestalten.

Das Thema Männlichkeit ist in der deutschen Politik nicht neu. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Ganz anders der Ansatz des AfD-Politikers Maximilian Krah, der jungen Männern in einem Wahlvideo 2024 suggerierte, Dating-Erfolge hätten etwas damit zu tun, „auf der richtigen Seite“ zu stehen.

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Öffentliche Persönlichkeiten haben Geschlechterklischees gelegentlich ohne größere Gegenreaktion herausgefordert. Vor zwei Jahrzehnten trug der Torhüter Tim Wiese bei Spielen pinkfarbene Handschuhe – seine Männlichkeit wurde kaum infrage gestellt. Banaszaks Bemühungen stoßen hingegen in der heutigen polarisierten Zeit auf ein schwierigeres Publikum.

Sein Vorstoß, junge Männer in feministische Diskurse einzubinden, hat eine Debatte ausgelöst. Manche halten seine Methoden für mutig, andere zweifeln an ihrer Wirksamkeit. Die Wahlergebnisse zeigen die Herausforderung: die Kluft zwischen den politischen Präferenzen junger Männer und progressiver Gleichstellungspolitik zu überbrücken.

Die Diskussion geht weiter – innerhalb der Grünen und darüber hinaus.

Quelle