"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch bricht mit Klischees über jüdisches Leben in Deutschland
Nikolaus Freudenberger"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch bricht mit Klischees über jüdisches Leben in Deutschland
Ein neues Buch mit dem Titel "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen: Zehn Gespräche aus Deutschland" bietet einen seltenen Einblick in die vielfältigen Lebensrealitäten jüdischer Menschen im Land. Die Autoren Joshua Schultheis und Mascha Malburg stellen die gängige Wahrnehmung infrage, dass jüdische Erfahrungen in Deutschland fast ausschließlich im Kontext der Holocaust-Gedenkveranstaltungen oder des Nahostkonflikts thematisiert werden. Ihr Werk zielt darauf ab, das Verständnis zu erweitern, indem es jüdischen Stimmen selbst Raum gibt.
Das Buch präsentiert Gespräche mit acht Jüdinnen und Juden, die jeweils ganz unterschiedliche Hintergründe mitbringen. Manche sind aus der Ukraine oder Russland eingewandert, andere haben tiefe familiäre Wurzeln in Deutschland. Zu Wort kommen auch Menschen aus New York und Tel Aviv, die heute in Berlin leben, sowie solche, die sich in ostdeutschen Städten gegen rechtsextreme Einflüsse engagieren. Die Autor:innen haben bewusst vielfältige Perspektiven gesucht – darunter aschkenasische und mizrachische, queere sowie patrilinear jüdische Stimmen.
Joshua Schultheis, politischer Redakteur bei der "Jüdischen Allgemeinen", und Mascha Malburg, die Politikwissenschaft und Soziologie mit Schwerpunkt auf Hannah Arendts Revolutionstheorie studiert hat, strukturierten das Buch als Abbild lebendiger Diskussionen. Die Gespräche wurden von Dinah Riese moderiert, der Leiterin des Inlandsressorts der "Jüdischen Allgemeinen". Erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, argumentiert das Buch, dass wahre Einsichten in jüdisches Leben in Deutschland nur durch das Zuhören der Betroffenen selbst entstehen – und nicht durch öffentliche Zuschreibungen.
Die Autor:innen betonen, wie Jüdinnen und Juden in Deutschland oft nur in bestimmten Momenten sichtbar werden, etwa bei nationalen Holocaust-Gedenktagen oder während Eskalationen im Nahen Osten. Diese eingeschränkte Perspektive, so ihre Kritik, verzerre die Realität jüdischen Daseins im Land. Durch persönliche Erzählungen will das Buch dieses Ungleichgewicht ausgleichen und ein umfassenderes Bild zeichnen.
Mit "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen" entsteht eine Plattform für Stimmen, die im öffentlichen Diskurs Deutschlands häufig überhört werden. Die Gespräche des Buches offenbaren die Komplexität jüdischer Identitäten und Erfahrungen im heutigen Deutschland. Die Hoffnung der Autor:innen ist es, damit differenziertere Debatten über jüdisches Leben jenseits der üblichen öffentlichen Narrative anzuregen.






