Gericht stoppt Sozialleistungs-Entzug für abgelehnten afghanischen Asylbewerber
Gericht stoppt Sozialleistungs-Entzug für abgelehnten afghanischen Asylbewerber
Ein deutsches Gericht hat die Streichung von Sozialleistungen für einen abgelehnten afghanischen Asylbewerber gestoppt. Das Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen entschied, dass die geltenden Gesetze es den Behörden in diesem Fall verbieten, die Unterstützung zu verweigern. Die Entscheidung unterstreicht die rechtlichen Unsicherheiten im Umgang mit EU-Asylregeln und Abschiebeverfahren.
Im Mittelpunkt des Falls steht ein 28-jähriger Afghane, der im April 2024 mit einem polnischen Schengen-Visum nach Deutschland eingereist war. Sein Asylantrag wurde als unzulässig abgewiesen, und die Behörden verweigerten ihm Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Zudem ordneten sie seine Abschiebung nach Polen an, doch die Überstellung scheiterte, weil die polnischen Behörden die Rücknahme verweigern.
Das LSG stellte fest, dass der Mann nicht freiwillig ausreisen kann, da eine Abschiebung im Rahmen des Dublin-III-Verfahrens die einzige realistische Option darstellt. Polens Weigerung, ihn zurückzunehmen, ist Teil einer verschärften Linie seit 2023. Das Land beruft sich auf Sicherheitsbedenken, nachdem Belarus 2021 im Rahmen hybrider Kriegsführung gezielt Migration gefördert hatte. Allein 2024 wurden über 30.000 versuchte Grenzübertritte registriert. Seitdem hat Polen seine Grenzen massiv abgesichert und sich dabei auf nationale Sicherheitsausnahmen im EU-Recht berufen.
Das Gericht betonte, dass das europäische Recht nach der Aufnahmebedingungenrichtlinie Asylsuchenden einen Mindestlebensstandard garantieren muss. Es verfügte vorläufig die Wiederherstellung der Leistungen mit der Begründung, dass eine freiwillige Ausreise sowohl rechtlich als auch praktisch möglich sein müsse. Zudem forderte das Urteil klarere EU-weite Vorgaben für solche Fälle.
Die Entscheidung bedeutet, dass der Afghane vorerst weiterhin Leistungen erhält, solange seine Situation ungeklärt bleibt. Da Polen weiterhin Dublin-Überstellungen blockiert, bleibt seine Abschiebung in der Schwebe. Rechtsexperten erwarten nun eine weitere Debatte darüber, wie EU-Asylregeln anzuwenden sind, wenn Mitgliedstaaten Rücknahmen verweigern.
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