Göttinger Bündnis verklagt Stadt wegen abgesagter Nahost-Debatte mit Shir Hever
Göttinger Bündnis verklagt Stadt wegen abgesagter Nahost-Debatte mit Shir Hever
Bündnis für einen gerechten Frieden im Nahen Osten verklagt Stadt Göttingen
Das Göttinger Bündnis für einen gerechten Frieden im Nahen Osten hat rechtliche Schritte gegen die Stadt Göttingen eingeleitet. Der Prozess folgt der kurzfristigen Absage eines Vortrags des Wirtschaftswissenschaftlers Shir Hever, der über die Isolation Stuttgarts nach zwei Jahren Krieg im Gazastreifen sprechen sollte.
Das Bündnis wirft der Stadt vor, mit der Absage eine jüdische Stimme zum Schweigen gebracht zu haben, und fordert nun Schadensersatz – darunter Reisekosten sowie Hevers ausstehendes Honorar.
Der Konflikt eskalierte, als Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt den Mietvertrag für den Veranstaltungsort Holbornsches Haus plötzlich kündigte. Als Begründung führte sie Hevers Verbindung zu Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten an, einer Gruppe, die vom deutschen Verfassungsschutz als "gesichert extremistisch" eingestuft wird.
Das Bündnis verurteilte die Absage scharf und argumentiert, in Göttingen dürften nur jüdische Stimmen zu Wort kommen, die auf Kritik an der israelischen Regierung verzichten. Als Beispiel verwiesen die Aktivisten auf einen Vorfall aus dem Jahr 2019, als der Göttinger Friedenspreis – der an dieselbe Organisation vergeben worden war – nach Protesten des Zentralrats der Juden in Deutschland nicht im Audimax der Universität überreicht werden konnte.
Als Konsequenz klagt das Bündnis nun auf Schadensersatz in Höhe von 412,93 Euro, um Hevers Reisekosten und das ausstehende Honorar zu decken. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zu Meinungsfreiheit und politischem Widerspruch in Deutschland auf – insbesondere für jüdische Kritiker der israelischen Politik.
Bisher liegen keine öffentlichen Stellungnahmen der Bundesregierung oder von Innenministerin Nancy Faeser zu den konkreten Vorwürfen vor.
Das Gericht wird nun prüfen, ob die Stadt Göttingen durch ihr Vorgehen unzulässige Zensur betrieben hat. Bei einem Erfolg des Bündnisses könnte der Fall ein Präzedenzfall dafür werden, wie deutsche Kommunen künftig mit Veranstaltungen umgehen, die in Verbindung mit vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppen stehen.
Die Entscheidung könnte zudem künftige Debatten über die Redefreiheit jüdischer Stimmen prägen, die in der Öffentlichkeit Israel kritisch gegenüberstehen.
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